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Als Epitaph (altgriechisch ἐπιτάφιον´zum Grab gehörend‘ bzw. lateinisch epitaphium, von ἐπί epí ‚bei‘, ‚auf‘ und τάφος táphos ‚Grab‘; Plural Epitaphe; im Deutschen auch Epitaphium, Plural Epitaphien) wird ein typischerweise in oder an einer Kirche angebrachtes Gedächtnismal für einen Verstorbenen bezeichnet. Epitaphe können künstlerisch aufwendig gestaltet sein und befinden sich im Unterschied zum Grabmal meist nicht an der Bestattungsstelle. Ihre Verbreitung konzentriert sich auf das Gebiet des Alten Reichs.

Bekanntlich kam es im Jahre 1732 im Fürstbistum Salzburg zu einer Massenausweisung des durch die Reformation evangelisch gewordenen Bevölkerungsteils. Der preußische König Friedrich-Wilhelm I., der „Soldatenkönig“, hatte sich bereit erklärt, die vertriebenen Salzburger in Ostpreußen anzusiedeln, um das Land nach einer verheerenden Pest wieder zu besiedeln. Diesem Ruf folgend machten sich Tausende der aus Salzburg Vertriebenen auf den Weg nach Preußen.

Es liegt auf der Hand, dass auch einige dieser Exulanten auf ihrem Weg nach Ostpreußen verstarben. So auch der aus dem Pflegegericht Goldegg (Fürstbistum Salzburg) stammende Exulant Peter Schönecker, der nach neueren Forschungen am 22. September 1732 im Alter von 77 Jahren starb. Ihm zu Ehren haben die Herren von Schenck auf Flechtingen und Böddensell (Altmark) ein Epitaph gestiftet. Dieses befand sich seit 1734 in der Kirche in Wegenstedt, einem Ort, der sich ca. 40 km östlich von Wolfsburg befindet.
Nach der 1989 erfolgten Öffnung der innerdeutschen Grenze hat der Salzburger Verein diesen Gedenkstein restaurieren und am 31. Oktober 2000 an der Südseite der Kirche aufstellen lassen. Schon zuvor hatte die Landesgruppe Niedersachsen des Salzburger Vereins es als ihre Ehrenpflicht angesehen, an jedem Reformationstag. d. h. am 31. Oktober eines jeden Jahres, dort ein Blumengebinde niederzulegen. Dieses Datum wurde gewählt, weil der Salzburger Fürstbischof Firmian am 31. Oktober 1731 das Emigrationspatent gegen die evangelischen Salzburger erlassen hatte. Inzwischen befindet sich der Stein aus konservatorischen Gründen in einem 2011 neu errichteten Gebäude neben der Kirche, das von der „Samuel Walther Geschichtswerkstatt“ betreut wird. Hier wurde der Gedenkstein in eine Raumtrennwand eingebaut, damit man den Text sowohl auf der Vorderseite als auch auf der Rückseite sehen kann.

Auf Kosten des Salzburger Vereins ist eine Nachbildung des Gedenksteins in Auftrag gegeben worden, die sich an Ort und Stelle an der Kirche in Wegenstedt befindet. Das nachstehende Foto zeigt das Blumengesteck, das vom Salzburger Verein am 31. Oktober 2022 vor der Replik des Gedenksteins niedergelegt wurde. Im Hintergrund befindet sich an der Kirchenmauer eine in gelb gehaltene Tafel, die die Geschichte des Gedenksteines erklärt.

[Diese Übertragung folgt dem Beitrag von Jürgen Schroeter: Grabmal Peter Schönecker dauerhaft gesichert, in: Der Salzburger. Vierteljährliches Mitteilungsblatt des „Salzburger Vereins“ e. V. Neue Folge, Nr. 192. Heft 4 (Dezember 2011), S. 8-9, und der Nr. 149. Heft 1 (Januar 2001), S. 12.]:

Der Text auf der Vorderseite des Steins lautet wie folgt:

Wanders Mann,
Siehe hir einen Wanderer
in der Ruhe
Peter Schönäcker,
dessen Seele unter viel tausend
Emigranten aus Saltzburg,
die zur Ruhe nach Preussen eilten,
als sie die Kinder Edom aus ihren
Vaterlande verdrengeten,
seinen Wanderstab auch mit ergriffen,
und ehe er zur Ruhe kam
den 22ten Septembris 1732 im 92ten Jahr seines Alters
Hieselbst ruhig niedergeleget,
welchen zu Ehren
die Hochwohlgeborene Herren von Schencken
dieses Denckmahl gestifftet.
Wanderer!
Wier sind alle Emigranten,
Gottes Pilgrinn und Burger,
Eile und errette deine Seele.
Leich-Text 1. B. Moh: XII. V.1.

Gedenkstein (Nachbildung) an der Kirche in Wegenstedt für Peter Schönecker (Salzburger Exulant) - Aufnahme vom 31.10.2022

Gedenkstein (Nachbildung) an der Kirche in Wegenstedt für Peter Schönecker (Salzburger Exulant) - Aufnahme vom 31.10.2022

© Erika Fritzenwalder

Auf der Rückseite des Steines liest man:

Mein Leser stehe stil! Hir liegt ein Emigrante,
der sich zu Jesu Lehr und nicht zum Pabst bekannte,
des Babels Rotte trieb ihn aus dem Vaterland,
der Leib ruht nun allhir die Seel in Gottes Hand.
Geh hin und dencke stets wie du wilt hie verlassen
die Welt, Leib, Guth und Blut des Himmels Reich zu fassen.
So wirstu arm doch reich bey Jacobs Stabe gehen
und einsten unverrückt vor Gott erfreuet stehen.

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